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Heer mit den Mechatronikern

: Heerespersonalamt


Die Schulpflicht abgeschlossen und interessiert an einer Lehre zum Mechatroniker? Schon einmal überlegt diese bei einem der größten Lehrlingsausbilder Österreichs zu absolvieren – dem Österreichischen Bundesheer? Es lohnt sich, hinter die Kulissen zu blicken, denn die Mechatronik-Ausbildung im Heereslogistikzentrum Wels ist ident mit der Ausbildung in Wirtschaftsbetrieben und bietet dazu noch einige Extras. MMag.a Sabine Steiner, x-technik

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Für Dominik Leßlhumer ist es interessant, vielfältig und keinesfalls alltäglich an einem Kampfpanzer seine Mechatronik-Lehre zu absolvieren.

Für Dominik Leßlhumer ist es interessant, vielfältig und keinesfalls alltäglich...

Das Heereslogistikzentrum sorgt dafür, dass die Truppe die richtigen Versorgungsgüter, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in richtiger Qualität zur Verfügung hat. Darunter fällt auch die Instandsetzung, Lagerung von Ersatzteilen usw. Eine mögliche Karriere als Mechatroniker beim Österreichischen Bundesheer beginnt mit einer vom Heerespersonalamt durchgeführten Lehrlingstestung. Dabei geht es um die allgemeine physische und psychische Eignung, ergänzt um Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit aber auch um Mathematik- und Deutsch-Kenntnisse sowie eine Talente-Diagnose. Sind die Vorauswahlkriterien erfüllt, folgen Fachgespräche und eine praktische Testung. Mechatroniktauglich? Dann steht einer Top-Ausbildung beim Bundesheer nichts mehr im Weg.

Das Heereslogistikzentrum Wels (HLogZ Wels) ist der größte Lehrlingsausbilder des Österreichischen Bundesheers (ÖBH) mit der modernsten Lehrwerkstätte. Aktuell werden ca. 30 Lehrlinge in elf verschiedenen Berufen ausgebildet. Zurzeit absolvieren zwei Burschen (3. Lehrjahr) und ein Mädchen (2. Lehrjahr) eine Lehre zum Mechatroniker mit dem Hauptmodul Automatisierungstechnik in der Basismaterialerhaltung. Alle drei Lehrlinge gehören nicht zur Truppe des Bundesheers, sondern haben einen zivilen Lehrvertrag. Eine Übernahme nach Abschluss der Lehre in den Dienst des Bundesheers wäre wünschenswert, ist aber keine Voraussetzung, um eine Lehrstelle zu bekommen. Die 3 ½ Jahre dauernde, modular aufgebaute Mechatronik-Lehre ist praxisorientiert mit vollständiger Berufsausbildung, basierend auf dem in Österreich geltenden Berufsausbildungsgesetz und findet an zwei Lernorten statt: im Betrieb und in der Berufsschule. Das Heereslogistikzentrum in Wels (Anm. d. Red.: zu rund 90 % zivil ausgerichtet) ist die einzige Einrichtung des Österreichischen Bundesheers (ÖBH), die Mechatronik am Kampfpanzer „Leopard 2 A4“ ausbildet.

Um
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Panzerwerkstätte des Heereslogistikzentrums: Die Kampfpanzer „Leopard“ und die Bergepanzer M88 müssen in bestimmten Intervallen, vergleichbar mit einem Pkw, serviciert werden.

Panzerwerkstätte des Heereslogistikzentrums: Die Kampfpanzer „Leopard“...

die Einsatzfähigkeit der Kampfpanzer „Leopard“ sicher zu stellen, müssen diese in periodischen Abständen zur höchsten Materialerhaltungsstufe – der Basismaterialerhaltung – in die Panzerwerkstätte gebracht und vollkommen überholt werden. Auch bei zwischenzeitlich auftretenden größeren und länger andauernden Reparaturen ist das Wissen der Spezialisten der Panzerwerkstätte des Logistikzentrums gefragt. Eine perfekte Spielwiese für angehende Mechatroniker, da gerade der Panzerturm alle technischen Raffinessen, die ein Mechatronikerherz höherschlagen lassen, beinhaltet. Für den Laien erklärungsbedürftig, besteht der Panzer aus einer Wanne mit dem Fahrwerk – und dem darauf sitzenden, nach allen Seiten beweglichen Panzerturm mit Waffe. Was macht die Mechatronik-Lehrausbildung beim Österreichischen Bundesheer so speziell?

Top-Mechatronik Ausbildung und mehr

Die angehenden Mechatroniker erwerben ein breites Wissen darüber, wie mechanische, elektrische, hydraulische und elektronische Komponenten zusammenspielen und zu einem System verschmelzen. Sind die neuen Lehrlinge nach dem Einstiegsseminar, begleitet durch einen internen Trainer, startklar, geht es wie in allen modular aufgebauten Lehrberufen üblich, erstmals zum Erlernen notwendiger Grundfertigkeiten wie Drehen, Fräsen, Schweißen, Gewinde schneiden usw. in die hauseigene Lehrwerkstätte. Anschließend geht es weiter in die einzelnen Teilbereiche und Werkstätten, die in einem 8-Wochen-Rad durchlaufen werden. „Teile der Mechatronik-Ausbildung, die wir hausintern nicht abdecken können, lagern wir aus. Entweder ins Wifi oder in unseren Ausbildungsverbund mit der Firma EWW aus Wels. Das betrifft in diesem Falle den elektrischen Teil der Ausbildung bei der Firma“, informiert
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Bernhard Maier, Leiter der Informations- und Kommunikationstechnik-Abteilung (IKT) über den Ablauf der Ausbildung und ergänzt: „Im Gegenzug dazu absolvieren die Lehrlinge der Firma EWW bei uns ihre Metallgrundausbildung.“

In den einzelnen Werkstätten des HLogZ Wels wie z. B. in der Leopard-Turm-Werkstätte, dreht sich in der Mechatronik-Ausbildung alles um die Mechanik, Sensorik und Hydraulik des Kampfpanzers Leopard. „Ein Paradebeispiel und eine perfekte Lernplattform für angehende Mechatroniker, da sich darin alle Teilbereiche der Mechatronik wiederfinden“, erklärt der Leiter der IKT-Abteilung und bestätigt: „Der elektronische Teil der Ausbildung ist mit Sicherheit einer der interessantesten, aber auch einer der Knackpunkte in der Mechatronik-Ausbildung. Daher bieten wir seit zwei Jahren, zusätzlich zur standardisierten Ausbildung, gemeinsam mit den IT-Technikern jeden Freitag eine weitere Theorie-Einheiten an, um die Fertigkeiten in der Programmierung, Sensorik und Elektronik zu festigen, auszubauen und noch weiter zu vertiefen“, informiert Bernhard Maier über einige der Vorzüge und Extras einer Mechatronik-Ausbildung beim Bundesheer.

Karriere beim Heer? Warum nicht?

Fachkräfte sind rar und nur schwer am Arbeitsmarkt zu finden. Umso erfreulicher ist es, dass alle drei sich in Ausbildung befindlichen Mechatronik-Lehrlinge nach ihrem Lehrabschluss dem Heereslogistikzentrum erhalten bleiben. Nichtsdestotrotz freut sich der Instandsetzungszug des Panzerbataillons 14 immer wieder über motivierte Soldaten mit den passenden Berufsbildern, welche die technischen Herausforderungen der Ausbildung nicht scheuen und in der Instandsetzung in verschiedenen Bereichen ihre Berufung sehen. Das Institut Technik der Heereslogistikschule
wird 2020 auch wieder den zweigeteilten Gerätelehrgang Turm/Waffe des Kampfpanzers Leopard 2 A4 – Mechanik und Hydraulik durchführen. Allein der Zeitansatz von neun Wochen lässt die Tiefe des Gerätelehrgangs, in der dieses komplexe Waffensystem unterwiesen wird, erkennen. Interessante, vielfältige und nicht alltägliche Arbeiten warten auf die Mitarbeiter im Heereslogistikzentrum aber auch bei der Truppe.

Für Dominik Leßlhumer ist es interessant, vielfältig und keinesfalls alltäglich an einem Kampfpanzer seine Mechatronik-Lehre zu absolvieren.
Panzerwerkstätte des Heereslogistikzentrums: Die Kampfpanzer „Leopard“ und die Bergepanzer M88 müssen in bestimmten Intervallen, vergleichbar mit einem Pkw, serviciert werden.
Mechatronisches Innenleben (optronische Zieleinrichtungen, Periskop u.v.m.) wird bei der Wartung auf eigens dafür kreierte Vorrichtungen montiert, geprüft und wieder in den Panzerturm eingebaut.
Stabilisiertes Rundblickperiskop aus dem Panzer „Leopard“: Kevin und Dominik checken die Elektronik und Optronik auf Herz und Nieren.
Modular aufgebaute Elektronikeinheit: Wird ein Defekt von der Truppe im Feld festgestellt, wird der Stecker gezogen und durch eine funktionierende Elektroeinheit Vorort ersetzt. In der IKT werden mögliche Fehler mit Unterstützung von automatischen Prüfgeräten und einer manuellen Checkliste ausgelesen und wieder Instand gesetzt.
Hightech-Feuerleitrechner: Prüfung und Instandsetzung jeder einzelnen Platine.
Panzerwerkstätte
Kevin Franzmeyer und Dominik Leßlhumer, 3. Lehrjahr Mechatronik
Instandsetzungszug PzB14


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Bericht in folgenden Kategorien:
Oberösterreich, Mechatronik in der Praxis

Im Gespräch

/xtredimg/2017/Mechatronik/Ausgabe182/14519/web/LCM_Homepage_0573_Kopie_Fotocredit_Meister_Eder.jpgPraktikum bei LCM
Redmer de Haan, Master Student in Maschinenbau an der Universität of Twente aus den Niederlanden, hat im Rahmen des Erasmus+ Programmes von November 2016 bis März 2017 bei der Linz Center of Mechatronics GmbH (LCM) als Praktikant gearbeitet. Das Ziel des Praktikums war es, einen Control Algorithmus eines aktiven Schwingungsdämpfer-Demonstrators zu optimieren. Im Interview erzählt Redmer über die Unterstützung, seine Arbeitsaufgaben und das Arbeitsklima während seines 4-monatigen Praktikums:
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